Sonntag, 19. April 2009

(Blaubuch 002) Der Bohnen Bauernverstand

Der Müller dreht seine Mühle und der Schiffer schotet seine Segel nach der Stärke und Richtung des Windes. Sie sehen den Wind nicht, aber sie glauben an dessen Dasein, da sie seine Wirkungen beobachten. Das sind kluge Leute, die ihren Verstand benutzen. Der Verstand (ratio) oder Bauernverstand ist eine ausgezeichnete Gabe, das Sinnliche zu begreifen, auch wenn es unsichtbar ist. Die Vernunft (Intellekt) ist eine feinere Gabe, mit der man das Unsinnliche begreifen kann. Wenn aber die Rationalisten die höchsten Dinge mit ihrem Bauernverstand begreifen wollen, dann sehen sie das Licht als dunkel, das Gute als böse, das Ewige als zeitlich. Mit einem Wort, sie sehen verkehrt, denn sie sehen natürlich. Ebenso unentbehrlich wie der Bauernverstand ist, wenn man auf den Markt geht, mit Kaffee und Zucker handelt oder Schuldscheine ausstellt; ebenso notwendig ist die Vernunft, wenn man sich dem Übernatürlichen nähern will. Voltaire und Heine werden zu den größten Rationalisten gerechnet, weil sie in geistigen Dingen mit dem Bauernverstand urteilten. Ihre Philosopheme sind deshalb interessant, aber wertlos. Und das Interessanteste bei diesen Männern ist, daß sie ihre Irrtümer entdeckten, sich bankerott erklärten und schließlich ihre Vernunft benutzten. Da aber konnten die Bohnen ihnen nicht mehr folgen. Die Bohnen sind ein klassischer Name für die Philister, die Dagon oder den Fischgott und Beelzebub oder den Dungherrn verehrten.

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