Samstag, 25. April 2009
(Blaubuch 005) Das Lied der Sänger
Als Damascenus in Qualheim wanderte, kam er an eine Sägemühle, in der ein oberschlächtiges Rad leer ging. Aber draußen am Rand des Flüßchens saßen zwei Männer und sägten mit einer Säge eine Stahlschiene. Das Sägen belgeiteten sie mit einem zweistimmigen Gesang in Prosa, der einem Kneipengezänk glich.
‒ Wovon singt ihr? fragte Damascenus.
‒ Von Glauben und Wissen, antwortete der eine.
Und dann begannen sie wieder:
‒ Was ich weiß, das glaube ich: also fällt Wissen unter Glauben, und der Glaube steht darüber.
‒ Was weißt du denn? Was du mit deinem Auge gesehen hast.
‒ Mein Auge sieht nichts von selbst; wenn due es heruas nimmst und hierhin legst, so sieht es nichts. Also ist es mein inneres Auge, das sieht.
‒ Kann ich denn dein inneres Auge sehen?
‒ Das ist nicht zu sehen! Aber mit dem, das nicht zu sehen ist, siehst du. Also mußt du an das Unsichtbare glauben! Jetzt weißt du’s!
‒ Ja ja ja, aber aber aber … Hast du Gott gesehen?
‒ Ja, mit meinem inneren Auge! Darum glaube ich an ihn. Aber du brauchst ihn nicht gesehen zu haben, damit ich an ihn glaube!
‒ Aber das Wissen ist das Höchste.
‒ Jawohl, aber der Glaube ist das Allerhöchste.
‒ Weißt du, was du glaubst?
‒ Ja, trotzdem du es nicht weißt.
‒ Beweise es!
‒ Mit zwei übereinstimmenden Zeugen? Ich will allein hier im Lande zwei Millionen Zeugen zusammen bringen. Das mußd och voller Beweis für dich sein.
‒ Aber aber aber aber …
Und so weiter.
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