Samstag, 18. April 2009
(Blaubuch 001) Das dreizehnte Axiom
Euklids zwölftes Axiom lautet bekanntlich: Wenn eine gerade Linie zwei andere gerade Linien so trifft, daß die Innenwinkel auf derselben Seite zusammen weniger als zwei Rechte betragen, so treffen sich diese beiden Linien, wenn sie ins Unendliche verlängert werden, auf der Seite, auf der sich diese Winkel befinden, die zusammen kleiner als zwei Rechte sind.
Wenn das ein selbstverständlicher Satz ist, der weder bewiesen werden kann noch bewiesen zu werden braucht, um wieviel klarer ist da nicht das Axiom vom Dasein Gottes?
Wer ein Axiom zu beweisen sucht, verliert sich in Unsinn; darum sollen wir nie versuchen, das Dasein Gottes zu beweisen.
Wer das Selbstverständliche in einem Axiom nicht begreifen kann, gehört zu den Menschenkindern, denen das Begreifen schwer fällt. Diese Unbegabten soll man beklagen, aber nicht strafen.
Will man nun eine Definition von Gott geben, so sagt man zuerst: Er ist allmächtig. Daraus folgt, daß er die Gesetze aufheben kann, die er gegeben hat. Da wir aber nicht alle seine Gesetze kennen, wissen wir nicht, wann er ein für uns unbekanntes Gesetz anwendet oder ein für uns bekanntes aufhebt.
Was wir Wunder nennen, kann also nach strengen Gesetzen zustande kommen, die wir nicht kennen. Wir müssen darum ungewöhnlichen oder unerklärlichen Ereignissen gegenüber zusehen, daß wir keine Fehlschlüsse machen. Die ziehen uns das Lächeln und die Geringschätzung der Mitmenschen zu, denen das Begreifen leicht wird.
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen